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Die drei Wege·3.9.2026

Festanstellung, Interim oder Selbstständigkeit? Der ehrliche Vergleich mit 50+

Nach einer Kündigung mit 50+ ist die erste Reflex-Antwort fast immer dieselbe: möglichst schnell wieder eine Festanstellung finden, am liebsten ähnlich zur letzten. Das ist verständlich — aber es überspringt eine Frage, die eine ehrliche Antwort verdient hätte. Michael Pröschel - Lesezeit: ca. 9 Min.

Wer mit über 50 den Job verliert, denkt selten in Optionen. Man denkt in der einen Aufgabe: die nächste Festanstellung finden, mit vergleichbarem Titel, vergleichbarem Gehalt, möglichst schnell. Das ist der naheliegendste Reflex — aber er ist nicht automatisch die richtige Antwort. Drei Wege stehen offen: die klassische Festanstellung, ein Interim-Mandat oder der Schritt in die Selbstständigkeit. Keiner davon ist automatisch der sichere. Keiner automatisch der mutige. Der Leitgedanke dieses Beitrags: **Es gibt nicht den richtigen Weg, nur den passenden — für Ihre finanzielle Lage, Ihre Lebensphase und das, was Sie in den nächsten Jahren tatsächlich wollen.** Wer diese Wahl bewusst trifft statt reflexhaft, steht in jeder der drei Richtungen stärker da, weil er weiß, warum er sie gewählt hat. Dieser Beitrag stellt alle drei Wege nüchtern nebeneinander — mit ihren Vorteilen, ihren Kosten, und den Fragen, die eine ehrliche Entscheidung erst möglich machen. ## Muss es nach einer Kündigung mit 50+ wieder eine Festanstellung sein? Nicht automatisch — aber für die meisten bleibt sie aus gutem Grund die erste Prüfung. Eine Festanstellung bedeutet ein reguläres, planbares Einkommen, den vollen Schutz der Sozialversicherung und häufig die Rückkehr zu genau der Art von Verantwortung und Teamführung, die zwei, drei Jahrzehnte lang die eigene Identität mitgeprägt hat. Für viele ist das nicht nur die finanziell naheliegendste, sondern auch die emotional vertrauteste Option. Der Haken liegt nicht in der Festanstellung selbst, sondern darin, sie unreflektiert als einzige Option zu behandeln. Wer sich von vornherein auf „genau diese eine Rolle, genau dieses Gehalt, genau dieser Standort" versteift, verengt den Suchraum erheblich — und übersieht dabei zwei Wege, die gerade mit der eigenen Erfahrung besonders gut funktionieren. ## Was ist Interim Management — und für wen passt es? Ein Interim-Mandat ist eine zeitlich begrenzte Führungsrolle: Ein Unternehmen holt eine erfahrene Führungskraft kurzfristig an Bord, um eine konkrete Herausforderung zu lösen — eine Vakanz zu überbrücken, eine Restrukturierung zu leiten, eine Krise zu managen. Der Einsatz beginnt in der Regel schnell nach der Zusage und dauert meist unter zwölf Monaten. Erwartet wird, dass Sie sich zügig einarbeiten und wirksam werden, ohne die lange Anlaufzeit einer klassischen Festanstellung. Gerade für Führungskräfte 50+ ist das ein Feld, in dem Erfahrung unmittelbar zählt: Unternehmen suchen für Interim-Rollen gezielt Menschen, die eine Situation schon einmal gesehen haben, nicht Einsteiger. Laut Branchenverband DDIM sind aktuell rund 12.500 Interim Manager in Deutschland aktiv, bei einem Marktvolumen von schätzungsweise 2,7 Milliarden Euro und einem durchschnittlichen Tagessatz von etwa 1.317 Euro — Zahlen, die eine Größenordnung zeigen, auch wenn sie aus einer Verbandsstudie stammen und nicht unabhängig geprüft sind. Die Kehrseite: Zwischen zwei Mandaten kann eine Lücke entstehen, mit entsprechender finanzieller Unsicherheit, wenn Projekte nicht nahtlos ineinander übergehen. Ein Interim-Leben verlangt zudem Flexibilität — häufig wechselnde Unternehmenskulturen, oft verbunden mit Reisen oder Auswärtsaufenthalten. Manche steigen bewusst als Brücke ein, während sie parallel eine Festanstellung suchen; andere finden am Ende genau darüber eine. ## Was bedeutet Selbstständigkeit wirklich — jenseits der Freiheit? Selbstständigkeit ist nach einer Kündigung oft das attraktivste Gedankenspiel — vermutlich, weil sie nach genau den Freiheiten klingt, die im Angestelltenverhältnis fehlen: selbst entscheiden, an welchen Themen man arbeitet, die eigene Zeit einteilen, keinen Vorgesetzten mehr, der einem sagt, was zu tun ist. Diese Freiheit ist real. Sie ist aber nur die eine Seite. Selbstständigkeit heißt auch: Kunden aktiv gewinnen, Ergebnisse nicht nur inhaltlich, sondern auch zeitlich nach den Vorstellungen der Kunden liefern, und eigenverantwortlich dafür sorgen, dass die Einnahmen die Kosten decken. Das Gehalt kommt nicht mehr automatisch zum Monatsende — und Krankenversicherung wie Altersvorsorge müssen vollständig selbst getragen werden. *Ob Selbstständigkeit für Sie eher die richtige Wahl oder ein teurer Umweg wäre, lässt sich nicht am Bauchgefühl entscheiden, sondern an ein paar ehrlichen Fragen zu Tragfähigkeit, Netzwerk und finanzieller Reserve. Genau dafür haben wir einen Selbsttest zusammengestellt. Sie finden ihn zum Download in unseren [Ressourcen](https://restart50.plus/de/resources).* Für erfahrene Führungskräfte liegt eine naheliegende Form besonders nahe: die Tätigkeit als Berater oder Freelancer in der eigenen Branche, in der bereits viel Fachwissen und ein belastbares Netzwerk vorhanden sind. Das hält Sie fachlich am Puls der Zeit und sorgt zugleich für eine aktuelle, erklärbare Tätigkeit im Lebenslauf — auch dann, wenn Sie parallel weitersuchen. ## Worauf sollte ich mich bei jedem der drei Wege gefasst machen? Auf Kompromisse — in mindestens einem von drei Bereichen, unabhängig davon, für welchen Weg Sie sich entscheiden. Erstens die Attraktivität der Position: Inhalte, Verantwortung und Führungsspanne liegen nicht immer exakt auf dem bisherigen Niveau. Zweitens der Standort: Sind Sie bereit zu pendeln oder für eine neue Position umzuziehen? Drittens das Gehalt: Wie weit würden Sie Abstriche akzeptieren, wenn die Rolle inhaltlich passt? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie in einem oder mehreren dieser Punkte Zugeständnisse machen. Das im Vorfeld ehrlich für sich zu klären — statt es erst im Gespräch zu entdecken — verschafft Ihnen Klarheit und Verhandlungsstärke zugleich. ## Kann ich mehrere Wege gleichzeitig verfolgen? Ja — und häufig ist genau das die realistischste Strategie. Ich habe das selbst erlebt: Nach meiner zweiten Kündigung, jenseits der 50, dauerte die Suche nach einer neuen Festanstellung zwei Jahre. In dieser Zeit habe ich mir parallel eine freiberufliche Beratungstätigkeit aufgebaut — nicht als Ausweichlösung, sondern als eigenständiges Standbein, das mich fachlich aktuell und finanziell tragfähig gehalten hat, während die Suche weiterlief. Am Ende bin ich als CEO wieder in eine Führungsrolle zurückgekehrt. Beides zusammen zu verfolgen war kein Kompromiss aus Verzweiflung, sondern die Entscheidung, die mir im Rückblick am meisten Handlungsspielraum gegeben hat. Kein Plan übersteht die erste Berührung mit der Realität unverändert — weder das Interim-Mandat, das sich anders entwickelt als gedacht, noch die Selbstständigkeit, die nicht in Schwung kommt. Wer sich vorab überlegt, was in diesem Fall der Plan B wäre, trifft die erste Entscheidung leichter. ## Was Sie bei der Entscheidung vermeiden sollten **Sich aus Angst vorschnell festlegen, statt ehrlich zu prüfen.** Die erste Festanstellung, die sich bietet, ist nicht automatisch die richtige — nur weil sie zuerst kommt. **Selbstständigkeit als reinen Notnagel behandeln, ohne die Tragfähigkeit ernsthaft zu prüfen.** Für manche ist sie die bessere Wahl von Anfang an. Für andere ein teurer Umweg. Der Unterschied liegt in der Prüfung vorher, nicht im Mut. **Interim von vornherein ablehnen, weil es nach „nur Zwischenlösung" klingt.** Ein Mandat kann eine eigenständige, gut bezahlte Phase sein — und gelegentlich der direkte Weg zurück in eine Festanstellung im selben Unternehmen. **Die finanzielle Realität bei allen drei Wegen ausblenden.** Reserven, laufende Kosten und die Zeit bis zum ersten verlässlichen Einkommen gehören in jede der drei Entscheidungen, nicht nur in die für Selbstständigkeit. ## Es gibt nicht den einen richtigen Weg Festanstellung, Interim oder Selbstständigkeit — die Frage ist nicht, welcher Weg objektiv der beste ist. Die Frage ist, welcher zu Ihrer Situation, Ihren Reserven und dem passt, was Sie in den nächsten Jahren wirklich wollen. Wer das ehrlich für sich klärt, trifft keine Notlösung, sondern eine Entscheidung, hinter der er stehen kann — in jede der drei Richtungen. Wenn Sie prüfen möchten, ob Selbstständigkeit für Sie eher die passende Wahl oder ein teurer Umweg wäre, laden Sie sich den **Selbsttest: Bereit für Selbstständigkeit?** herunter. Sie finden ihn in unseren [Ressourcen](https://restart50.plus/de/resources).

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